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Vibia Perpetua — Das älteste "Ich" einer Frau

PHILOSKOP Cornelia Mooslechner-Brüll Episode 55

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Karthago, im Jahr 203: Eine 22-jährige Frau sitzt im Gefängnis, stillt noch ihr Kind und wartet auf ihre Hinrichtung. In diesen Nächten schreibt sie Tagebuch — und dieser Text gilt als einer der frühesten, in denen eine Frau in ihrer eigenen Stimme über sich selbst spricht.

In dieser Folge lese ich Perpetuas Gefängnistagebuch als das, was es auch ist: ein philosophisches Argument. Ihr Vater fleht sie an, nachzugeben. Sie zeigt auf einen Krug und fragt ihn, ob man ihn anders nennen könne, als er ist. Und wendet die Antwort auf sich selbst an.

Mit Hannah Arendts Unterscheidung zwischen dem Was und dem Wer eines Menschen (Vita activa, 1958) wird sichtbar, worum es hier wirklich geht — und warum diese Frage heute in jedem Familien-, Team- und Sorgekonflikt wiederkehrt.

Leitfrage: Was heißt es, ganz zu sich zu stehen, wenn alle anderen etwas anderes von dir verlangen — und die, die es verlangen, dich lieben?

Erwähnte Texte · Passio Sanctarum Perpetuae et Felicitatis, um 203 · Hannah Arendt, Vita activa oder Vom tätigen Leben, 1958

🍂 Im Herbst lese ich fünf Denkerinnen im Online-Lesekreis „Die andere Hälfte der Philosophie" — Perpetua ist Abend 1. Infos & Anmeldung: Lesekreis 

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Ich freu mich auf eine Begegnung!
Cornelia Mooslechner-Brüll